Zu den Gemüsesorten, die uns im Herbst und Winter zur Verfügung stehen gehören neben Kohlgemüse, den wir bereits in einen Beitrag gewürdigt haben ebenso das Wurzelgemüse. Dazu gehören die Rüben- und Zwiebelgewächse. Diese Gemüsesorten haben eine gute Ökobilanz, denn sie werden in den nördlichen Breitengraden regional angebaut.
Nährstoffgehalt von Wurzelgemüse
Da die Pflanze ihre Nährstoffe in der Wurzel konzentriert vorrätig hält, hat man hier eine Vielzahl an gesunder Vitamine und Mineralstoffen, sogar mehr als im klassischen Sommergemüse. Allerdings wurden bei den uns bekannten Sorten viele gesunde Nähr- und Bitterstoffe herausgezüchtet, die in den alten Sorten noch verfügbar waren. Das Gemüse wurde auch größer gezüchtet, als es ursprünglich war.
Zitat: Die regionalen Wunderknollen, so beliebt und doch so bescheiden daherkommend, obwohl man ihr Aroma nach dem Verzehr über Stunden am Körper trägt.
Ob man Wurzelgemüse in Bio Qualität kaufen sollte, ist umstritten, denn die Wurzeln wachsen unter der Erde.
Man sollte die Wurzeln nur kurz garen, am besten dünsten statt kochen, da sonst viele Nährstoffe ins Wasser übergehen. Bei Suppen ist das dann kein Problem.
Bilder: Gemüseeintopf mit Graupen, Rote-Beete Suppe mit Kroketten, Sellerie-Cremesüppchen (Rezepte siehe unten)
Geschichte
In kargen Wintermonaten hatten die Menschen nicht viel Auswahl an nährstoffreicher Nahrung. So bot das Wurzelgemüse viele Vitamine und Spurenelemente.
Wurzeln und Knollen gehören zu den ältesten Lebensmitteln der Menschheit. Schon in der Steinzeit sammelten unsere Vorfahren Wurzeln und Knollen. Zu den damals bekannten Sorten gehören u.a. die Karotte (damals so dick wie ein Bleistift und gelb), Pastinake, sowie die Petersilienwurzel.
In der Antike, bevor das heute bekannte Sommergemüse, wie Tomaten, Paprika und Co. nach Europa kamen, kannte man neben Kohl und Wurzelgemüse nur noch einzelne Kräuter, Blattgemüse, und Salatsorten.
In der Geschichte Deutschlands spielen Steckrüben eine bedeutende Rolle, denn sie waren ein wichtiges Grundnahrungsmittel in Notzeiten: Nach großen Kartoffelmissernten im Jahre 1917 und der darauf folgenden Hungersnot war die Bevölkerung von Steckrüben abhängig. Damals, im sogenannten „Steckrübenwinter“, wurden sogar eigene Steckrüben-Kochbücher herausgeben. Darin gab es Rezepte für Steckrüben in allen Variationen: Zu Suppen, Aufläufen, Kuchen, Marmeladen und sogar zu Kaffee wurden sie verarbeitet. Nach diesen Notzeiten waren Steckrüben ein eher unbeliebtes Gemüse und wurden vor allem als Tierfutter angebaut. Damit die Rüben aber nicht gänzlich in Vergessenheit geraten, wurden sie vom “Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt” (VEN) 2018 zum Gemüse des Jahres gekürt.
Arten von heimischem Wurzelgemüse und ihr Geschmack
Wir kennen einige Sorten schon aus der Kindheit. Die Karotte, Kartoffel, den Knollensellerie, die oft die Basis bilden für Babybrei, leckere Suppen und Eintöpfe oder Saucen. Es gibt aber noch mehr interessante Knollen und Wurzeln, die man kennen sollte.
Geschmack: leichte Anis-Note
Verwendung: knackig im Salat oder gedämpft
Geschmack: mild, leicht süßlich, zart-buttrig
Verwendung: schmecken zu gebratenem Fisch.
Geschmack: süßlich. Farbige Karotten wie violette oder gelbe Sorten können zusätzlich erdige, herbe oder leicht zitrusartige Noten mit sich bringen.
Verwendung: die Karotte ist kaum wegzudenken mit ihrer Vielfalt an Zubereitungsmöglichkeiten. Ob in Rohkost Salaten, Bowls, in Suppen und Eintöpfen, oder geröstet mit indischen Gewürzen. Eine wird wohl weniger bekannt sein. Sie zeigt nämlich eine erstaunliche Heilwirkung gegen Durchfall und Magen-Darm Erkrankungen als Morosche Karottensuppe.
Geschmack: wie die Kartoffel schmeckt, das weiß wohl jeder. Sie kommt mit einem süßlichen, leicht erdigen Geschmack daher.
Verwendung: Was man alles mit ihr anstellen kann, inklusive Rezepten, findest Du im Beitrag „Die Kartoffel – ein Allroundgemüse mit Geschichte“
Man sollte die Kartoffel nicht roh essen.
Geschmack: süßlich, würzig
Verwendung: das Suppengemüse schlechthin. Auch beliebt in Form eines Sellerieschnitzels.
Geschmack: scharf, leicht schwefelartig
Verwendung: die kleine Schwester der Zwiebel, in der mediterranen Küche sehr beliebt, z.B als Knoblauchöl auf Pizza. Zudem ein beliebtes antibakterielles, antivirales und entzündungshemmendes Heilmittel.
Geschmack: süßlich, scharf (milder als die Zwiebel).
Verwendung: beliebt als Topping, im Salat oder in der asiatischen und orientalischen Küche.
Geschmack: mild, leicht süßlich
Verwendung: roh im Salat oder gekocht als Gemüsepfanne mit Kohlrabi. Schneeweiß im Inneren.
Geschmack: scharf, süßlich
Verwendung: wird gerne zu Sahne-Meerrettich verarbeitet.
Geschmack: Petersilien Aroma
Verwendung: roh, fein geraspelt im Salat. Meine Empfehlung ist das Petersilienwurzel-Schaumsüppchen.
Geschmack: süßlich, herb
Verwendung: wunderbar im Kartoffelpüree.
Geschmack: pikant, knackig, frisch
Verwendung: unsere kleine Freundin aus dem Hochbeet lecker auf dem Frühstücks- Brot oder als Verzierung auf festlichen Platten.
Geschmack: süßlich, erdiges Aroma
Verwendung: es gibt sie in Carpaccio Form, eingelegt, in Bowls, Smoothies, oder als deftige Suppe, wie z.B. dem russischen Borschtsch.
Geschmack: pikant-erdig
Info: besonders wichtig in der Geschichte Deutschlands, (siehe oben).
Geschmack: zart, leicht nussig, ein Geschmack, der an Spargel erinnert, aber etwas milder und würziger
Verwendung: gekochte Schwarzwurzeln kann man entweder pur als Beilage oder als Schwarzwurzelsuppe, in Eintöpfen oder Aufläufen servieren.
Vorsicht! Beim Schälen Handschuhe tragen und schnell verarbeiten.
Geschmack: pikant, süßlich
Verwendung: Das beste kommt zum Schluss 😉
Unsere heimische Lieblingsknolle. Ich wüsste nicht, welches deftige Gericht heute ohne die Zwiebel auskommt, aber auch als Gesundheitsbooster kommt sie daher.
Bild: Bekannte Arten von Wurzel- und Knollengemüse
Bild: Goethes Leibspeise waren Goldbällchen
Exotisches Wurzelgemüse
Mittlerweile sind uns viele weitere Wurzelgemüse-Sorten aus fernen Ländern bekannt.
Dazu gehören folgende Sorten:
ARAKACHA (Südamerika)
geschmacklich Mischung aus Sellerie, Kohl und gerösteten Esskastanien
BENGKOANG (Mexiko)
leicht erdig, süßlich, roh im Salat
INGWER – (Indien und China)
pikant, süßlich mit leichter Zitronennote, indische Wunderknolle, vor allem in der Winterzeit um Abwehrkräfte zu stärken.
KURKUMA – (Indien)
erdiger, leicht bitterer und würzig-scharfer Geschmack mit Noten von Ingwer und Orange, die orangene Schwester des Ingwers, Wunderknolle 2.0
MACA (Anden, Südamerika)
TARO (Südoastasien)
TOPINAMBUR (USA)
nussig-süßlich und können roh, gekocht, als Salat oder Suppe gegessen werden.
Saison: Oktober bis Frühling.
YACON (Anden, Südamerika)
frisch, leicht süßlich, fruchtig, ähnlich wie Birne, Melone oder auch leicht karamellartig, gerne als Sirup verwendet
GINSENG (China, Korea, Sibirien)
würzig bis bitter, Heilpflanze
MANIOK (Brasilien, auch bekannt als Cassava, Yuca oder Mandioca)
neutral bis leicht süßlich, „Kartoffel der Tropen“, giftig im rohen Zustand.
WASABI (Japan)
YAMSWURZEL (Asien, Afrika, Südamerika)
süßlich bis nussig, mit erdiger Note, ähnlich Esskastanie, Nutz- und Heilpflanze.
Ein raffiniertes Rezept von der kompletten Petersilienwurzel von der Küchenchefin Diana Burkel
Rezepte
Süßkartoffel Kumpir mit Rotkohl
Sellerieschnitzel (Rezept folgt demnächst…)
Irischer Kartoffelstampf mit Weißkohl
Lachs** mit Meerrettichschaum auf Kartoffelrösti
Russische Maultaschen mit Kartoffel-Frischkäsecreme
„Polesniki“ – würzige, schlesische Kartoffelpuffer in gebratenen Kohltaschen
Sellerieravioli in Nussbutter
Rote Beete Suppe „Barszcz“ mit Kroketten
Selleriecreme Süppchen mit Knoblauch-Brot
Petersilienwurzel-Schaumsüppchen*
Weißkohl-Gemüsesüppchen mit Würstchen*
Bratkartoffeln*
Cremige Erbsen und Möhrchen*
Rote-Beete Carpaccio
Ofengemüse Wurzelgemüse
Schwarzwurzel-Gratin
Rohkost-Salat mit Wurzelgemüse
Detox Punsch für den Herbst / Winter
Gemüsechips aus Wurzelgemüse
Meerrettich-Dip
Rote-Beete Aufstrich
*Rezept aus dem Kochbuch
**auch in pflanzlicher Form erhältlich







